IV TOSHAIN
2015

“Einträchtig zu zweit. Künstlerfreundschaften in der österreichischen Gegenwartskunst” – PARNASS 44/ 03-2015

“Einträchtig zu zweit. Künstlerfreundschaften in der österreichischen Gegenwartskunst” – PARNASS 44/ 03-2015

Parnass Magazine 44/ 03-2015“Einträchtig zu zweit.  Künstlerfreundschaften in der österreichischen Gegenwartskunst”
Systemkritik per Email
 
Iv Toshain war ursprünglich Malerin, ist heute in verschiedenen Medien, vor allem aber der Bildhauerei tätig. Anna Ceeh arbeitet als Sound- und Videokünstlerin, ist außerdem Mitbetreiberin des Labels „Laton“. Inhaltlich hat ihre Kunst kaum miteinander zu tun, und doch arbeiten sie seit 2012 kontinuierlich zusammen: Mit ihrem Art-Label, das sich stets anders nennt, üben sie ironische Kritik am Kunstbetrieb. Sie treten auf unter Namen wie FUCKi̶s̶m̶TC, FEMINi̶s̶m̶TC, FXXXi̶s̶m̶TC, XXXXXi̶s̶m̶TC, SUCKi̶s̶m̶TC, hängen Plakate mit Zitaten von Künstlerinnen und Künstlern wie Olaf Nicolai oder Marina Abramovic an Bauzäune, verteilen Poster, auf denen Kunsthalle-Direktor Nicolaus Schafhausen posiert, eine Art Bravo-Starschnitt für den Kunstbetrieb.

Ihre künstlerische Strategie eignet sich Methoden des Merchandising, des Brandings an – und unterwandert sie gleichzeitig. Dass die Silbe „ism“ in ihrem jeweils aktuellen Labelnamen durchgestrichen ist, verweist auf ihre skeptische Haltung gegenüber Ideologien jeglicher Art – auch in der Kunst. Gemeinsam greifen sie das Machtgefüge in der Kunst an, bei dem – ihrer Ansicht nach – Museumsdirektoren und Galeristen ganz oben, Künstler dagegen ganz unten sitzen. Ihre gemeinsam produzierte Kunst ist für den Markt unerheblich – mit T-Shirts und Posters lässt sich kein großes Geld machen. Der demokratische Charakter ist intendiert. Toshain und Ceeh kennen sich noch aus der Klasse von Franz Graf.

Erst 2012 gründeten sie aber ihr Label. „Wir hatten schon unser jeweils eigenes Werk entwickelt, wollten aber gemeinsam an einer Systemkritik arbeiten.“ Die Freundschaft entstand und vertiefte sich erst mit der Zusammenarbeit. Dabei sitzt man nicht stunden- und nächtelang gemeinsam im Atelier herum, um auf künstlerisch-intellektuellen Funkenflug zu hoffen, sondern tauscht sich zunächst per Email aus. Erst wenn – manchmal nach hunderten Mails – die Idee konkretere Formen angenommen hat, trifft man einander, um sie umzusetzen.

 

(Text: Nina Schedlmayer)


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