IV TOSHAIN

TEXT

Iv Toshain bezeichnet ihre künstlerische Herangehensweise als Cutting-Edge. Damit gemeint ist die Setzung von Inhalten, Motiven und Techniken an der Grenze von Genre, Stil und Werkzeugen, um die Möglichkeiten der Kunst herauszufordern. Dabei ist der Begriff Cutting-Edge buchstäblich aufzufassen. Die Klinge, die einerseits zum Angriff auf den zeitgenössischen Bilderwahn der Pop-Kultur mit Ninja-Wurfsternen und zum anderen zum Aufschlitzen oder Anstechen von Bildoberflächen dient, erzeugt dabei eine faszinierende Schönheit und Poesie.
In Bezug auf Stunt – Szenen von Hollywood Filmproduktionen, schiesst die Künstlerin mit glänzenden, verchromten oder vergoldeten Wurfsternen auf weiße Maloberflächen wobei Farben durch die Einschusslöcher hervortreten.
Iv Toshain erweckt in ihren Werken den Begriff „Shooting Star“ zum Leben.
Thomas Lugmeier

„Das Symbol / Form eines Sterns ist von grundlegender Bedeutung für meine Arbeit. Einerseits symbolisiert es Licht, Kristalle, Glamour, Prominenz, Kult, das göttliche und das Universum. Andererseits kann dieselbe Form das Gegenteil bedeuten: Krieg, Aggression, Gewalt, Verletzung, Zerstörung, Grausamkeit und Tod. Wurfsterne sowie der Ausdruck „Shooting Star“ verkörpern dieses Konzept.“
Iv Toshain

Ausnahme – Kunstraum
Katalog Vienna for Art’s Sake Katalog
Ausschnitt

Iv Toshain attackiert und zerschlägt das ihr zugesandte Mikroformat mit nur einem Schluss. Sie trifft, obwohl die Anforderung an Zielgerichtetheit im Vergleich zu ihren gewohnten Formaten erhöht ist. Die reduzierten Dimensionen verlangen der Künstlerin Treffsicherheit ab, wodurch sich quasi der Wert potenziert. Die Künstlerin steigert ihr Angriffspotential im Verhältnis zur Reduktion des Bildraumes. Das Produkt wird kleiner, ihr Geschoss geschärft.

Vito Acconci, Heinrich Dunst, Six und Petritsch, Iv Toshain, Jeanne-Claude + CHRISTO und viele andere lassen sich durch die hier beschränkten Rahmenbedingungen nicht weiter irritieren, ganz im Gegenteil stellt dies für sie eine besondere Herausforderung dar. Diese Kleinformate gleichen in ihren Visionen und Utopien vielfach Mikrouniversen, die sich durch Dimensionen des Raums und Materials insofern nicht beschränken lassen können, da ihre Wesensform darin liegt, Grenzen des Produktionsraumes zu reflektieren, aus ihnen heraus zu schöpfen oder diese gar zu sprengen.
Peter Noever

„The symbol / shape of a star is fundamental to my work. On the one hand it symbolizes hope, light, achievements, celebrities, superstars, glamour, cult and the divine. On the other hand, its materiality and shape can signify the opposite – war, warrior, aggression, violence, weapon, injury, destruction, cruelty, and death. There are for instance, throwing stars and morning stars, as well as the literal meaning of „shooting stars“. By that token, a negative picture of a white star captured by the Hubble telescope becomes the black hole of a bullet. The only parameter that has been changed is color and contrast, but the image completely changes our perception and affects.“
Iv Toshain

Exceptional Art Space
Catalogue Vienna for Art’s Sake
Excerpt

„Iv Toshain attacked and shattered the micro-format sent to her with a single shot. She hit her mark, here, even if this demanded a more accurate aim than her accustomed formats. The increased accuracy required of the artist by these reduced dimensions ( 10x12cm) has something like a potentiating effect on the work’s value. The artist heightens her attack potential commensurate with the reduction of the pictorial space; the product becomes smaller, while aim is sharpened.
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Vito Acconci, Heinrich Dunst, Six and Petritsch, Iv Toshain, Jeanne -Claude and CHRISTO, and many others refuse to be irritated by the limited spatial conditions here; on the contrary, they consider them to be a special challenge. And many of these small- format works, in their visions and utopias, are akin to microcosmos that cannot allow themselves to be limited by the dimensions of the space or the material insofar as their essence lies in reflecting upon, drawing on, or even shattering the boundaries of the space of production.“
Peter Noever